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Enkaustik

enkaustoEnkaustik ist, wenn Ausschreiber aufs Marketing hereinfallen Denn da will man eins: vergleichbare Wettbewerbsangebote verhindern. Und mit "Klassischer italienischer Enkaustik-Technik" geht das ganz gut.

Fast 1.000 m² "Italienische Enkaustik-Technik" stehen aktuell zur Ausschreibung und viele würden sich gerne beteiligen, fragen sich aber, was hat der Architekt im Sinn. Nun, wenn man etwas googelt, dann wird schnell klar, was Enkaustik ist:

 

Eine alte Malweise, bei der auf allerlei Art mit Wachs, Pigmenten und heissen Werkzeugen hantiert wird. Auf Holz oder Stein wurden damit in Ägypten und Griechenland sehr haltbare Kunstwerke geschaffen.

Soviel zum "Italienischen" der Enkaustik, was übrigens vom griechischen Wortursprung abgeleitet soviel wie "Einbrennen" bzw. "Eingebrannt" bedeutet. 

Diese Techniken kamen im 4 Jahrhunder n. Chr. aus der Mode und werden jetzt wieder entdeckt. Für ein paar Euro kann sich heute der Hobbykünstler im Internet Maleisen, Enkaustik-Wachsmalstifte und ein Anleitungsvideo besorgen. Aber ob dann dabei das herauskommt, was der Architekt will?
Der Weg zur Wandgestaltung mit Enkaustik-Technik ist ein Umweg. Denn in der Antike wurde mit heissem Wachs nicht nur gemalt, sondern auch Stein, Marmor (z.B. Büsten) imprägniert. Nun wird klar, dass der gute Mann nicht eine Technik ausgeschrieben hat, sondern nur eine Imprägnierweise und ob er die wirklich will und ob die heute noch sinnvoll ist, sind zwei weitere Fragen.

Leider musste ich die Antwort auf die Frage, was der Architekt sehen will, unbeantwortet lassen. Denn mit dem Etikett "Enkaustik" auf der Rückseite habe ich schon sehr Verschiedenes gesehen - vom kleingeflecktelten Eisdielen-Stucco bis zum totgewachsten Resopal-Imitat wird alles als Enkaustik angeboten. Im seltenen und besten Fall ist ein sauber ausgeführtes, leicht gewachstes Marmorino zu sehen. Also, hin zum Architekten, Platte zeigen lassen.


Ganz alleine steht die " Italienische Enkaustik-Technik" nicht; verwandt mit ihr sind Ausschreibungen für "Stucco Veneziano", "Stuccolustro", den "Lamato-Effekt, usw.